AllgemeinDigitalisierung/OrganisationGründung einer Privatstiftung

Neun Thesen zur Zukunft österreichischer Privatstiftungen

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

 

Mit den neun Thesen zur Zukunft österreichsicher Privatstiftungen werfen wir einen Blick auf die Zukunft von Stiftungen und zeigen damit die Herausforderungen und die Erfolgsfaktoren für langfristiges sinnstiftendes Wirken für Stifterfamilien in Zeiten des Generationenübergangs, des gesellschaftlichen Wandels und technischer Entwicklungen.

Die Grundlage für diese Thesen bilden unzählige Gespräche mit Stiftern, Begünstigten und Stiftungsverantwortlichen – dies in Kombination gesetzt mit Erfahrungen anderer Stiftungsregime, die bereits mehrmals den Generationenübergang bewerkstelligt haben.

Neun Thesen in drei Gruppen:

  1. Von der Stiftergeneration zur Familienstiftung
    1. Professionalisierung des Managements der Stiftung
    2. Compliance Regeln treten in den Vordergrund
    3. Checks and Balances Systeme bewahren die Interessen aller Stakeholder
  1. Vom Zweck zur Vision
    1. Familienverfassungen als Basis für das Miteinander aller Stämme und Generationen
    2. Stiftungen begeistern die nächste Generation
    3. Nachhaltigkeit und Gemeinnützigkeit in Privatstiftungen
  1. Vom Freund zum Manager
    1. Die Rollen der Stiftungsorgane werden neu definiert
    2. Stiftungsvorstand als neues Berufsbild
    3. Digitalisierung hält bei Stiftungen Einzug

Von der Stiftergeneration zur Familienstiftung:

Die Stiftergeneration verfügt nach Gründung von Stiftungen über maßgeblichen Einfluss. Im Rahmen des Generationenübergangs auf folgende Generationen und Stämme ändert sich das Machtgefüge in Stiftungen und unterschiedliche Interessen treten in den Vordergrund. Die Führung der Stiftung benötigt neue Spielregeln und Prozesse.

  1. Professionalisierung des Managements der Stiftung:
    • Die Weiterentwicklung des Managements von Stiftungen wird vor allem durch Governance Mechanismen vorangetrieben, die den Rahmen vorgeben, die die Leitung und Kontrolle der Stiftung ermöglicht. Strukturen sollen zwar schlank und effizient bleiben, dennoch soll die Familie auch in Zukunft in Prozesse einbezogen werden. Die Einbeziehung der Familie erleichtert die Entscheidungsfindung und die Tätigkeit des Vorstandes.
  2. Compliance Regeln treten in den Vordergrund:
    • Compliance Regeln bedeuten, sich an Spielregeln zu halten und stellt so einen Sicherheitsmechanismus für Stiftungen dar. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Regeln bedeutet deshalb die Chance für die Sicherung des langfristigen Bestands von Privatstiftungen und den Schutz der Interessen aller Stakeholder.
  3. Checks and Balances bewahren die Interessen aller Stakeholder:
    • Ein System von Checks and Balances implementiert ein System zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Gewaltenteilung. Das Wesensmerkmal eines Kontrollsystems ist die Aufteilung zwischen Verwaltung der Stiftung und der Kontrolle dieser Verwaltung. Ein solches Kontrollsystem erleichtert die Kontrolle von Organen, erarbeitet Entscheidungsgrundlagen und gibt allen Generationen Sicherheit, da die Interessen aller Stakeholder bewahrt werden.

Vom Zweck zur Vision:

Stiftungen wurden erstmalig gegründet, um das Ziel des Stifters zu verfolgen. Nachfolgende Generationen und Stämme können im Verständnis dieses Ziels divergieren, weswegen das ursprüngliche Ziel kommuniziert werden muss, um zu einer Vision aller Beteiligten zu werden.

  1. Familienverfassungen als Basis für das Miteinander aller Stämme und Generationen:
    • Stiftungen benötigen eine klare Zielsetzung, die von allen Stämmen und Generationen geteilt wird. Eine klar formulierte gemeinsame Vision vereinheitlicht die Ziele und den Stiftungszweck.
    • Klare Visionen unterstützen das Management, fundierte Entscheidungen zu treffen. Eine gemeinsame Vision stellt sicher, dass sämtliche Beteiligte mit den langfristigen Zielen übereinstimmen und das Management eine klare Richtung verfolgen kann.
    • Die Familienverfassung lässt die Familie als Ganzes agieren und teilt diese nicht in Stämme und Generationen auf.
  2. Stiftungen begeistern die nächste Generation:
    • Stiftungen können nur langfristig Mehrwert für alle Generationen liefern, wenn diese auch in das Stiftungsleben involviert werden. Interesse und Begeisterung für Familienstiftungen werden durch Befähigung der Beteiligten erreicht. Bei gemeinsamen Familientagen werden alle Generationen in die Stiftungsagenda eingeführt und durch die Möglichkeit der Teilnahme begeistert.
  3. Nachhaltigkeit und Gemeinnützigkeit in Privatstiftungen:
    • Nachhaltiges Wirken ist die DNA einer Familienstiftung, da schon die Idee einer solchen Stiftung sinnstiftendes Wirken und Gebaren für Generationen bedeutet. Dieser Gedanke wird für das gesamte Wirken von Stiftungen an Bedeutung zunehmen, so dass auch die Bewirtschaftung der Vermögenswerte nach nachhaltigen Kriterien bewertet wird.
      Für nächste Generationen ist Gewinnmaximierung nicht immer das Hauptziel, sondern die Stiftung wird auch Mehrwert im gesamtgesellschaftlichen Kontext liefern müssen. Stiftungen werden diesem Interesse durch Förderung unterschiedlicher Projekte nachkommen.

Vom Freund zum Manager:

Die Besetzung von Stiftungsorganen zu Lebzeiten der Stiftergeneration erfolgt häufig im Rahmen eines Freundschaftsdienstes. Das Management einer Stiftung, die mehreren Stämmen dienen soll, erfordert Äquidistanz zu allen Beteiligten und Akzeptanz durch Knowhow.

  1. Die Rollen der Stiftungsorgane werden neu definiert:
    • Der wesentliche Schritt bei einem erfolgreichen Generationenübergang ist eine offene und transparente Kommunikation zwischen Organen und der Familie. Sämtliche Beteiligte dürfen und sollen ihre Ideen und Interessen einbringen. Die neue Rolle der Stiftungsorgane besteht darin, dass sie das Bindeglied zwischen den Generationen darstellt und deren Interessen abwägt und bestmöglich umsetzt. Der Stiftungsvorstand der Zukunft ist gleichzeitig Hüter der Stiftung und Partner der gesamten Familie.
  2. Stiftungsvorstand wird ein neues Berufsbild:
    • Die Führung der Stiftung durch den Vorstand erfordert im Rahmen des Generationenübergangs neue Kompetenzen. Nicht mehr die Vertrautheit und Nähe zur Stiftergeneration steht im Mittelpunkt, sondern die Managementfähigkeit von Vorständen ist gefragt. Vorstände müssen in Zukunft den Ausgleich zwischen den Vorgaben aus der Stiftungsurkunde und unterschiedlichen Interessen finden. Das wesentliche Argument für die Ernennung eines Vorstandes wird nicht mehr die Nähe zur Stiftergeneration sein, sondern die Fähigkeit, eine Stiftung zu managen.
  3. Digitalisierung hält bei Stiftungen Einzug:
    • Digitale Transformation ist entscheidend für die Effizienz und maximiert den Nutzen für Familienmitglieder. Cloud basiertes Ablegen von Dokumenten und Information für sämtliche Stakeholder erhöht die Transparenz und ermöglicht Engagement aller Familienmitglieder. Stiftungen werden um Themen wie KI, Blockchain und Cloud-Lösungen nicht umhinkommen.

Conclusio

Privatstiftungen werden im Rahmen des Generationenübergangs mit unterschiedlichsten Herausforderungen und neuen Ideen konfrontiert. Klare Prozesse, einheitliches Verständnis für die Ziele der Stiftung und Kontrolle der Aktivitäten der Stiftung werden die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Zukunft einer jeden Stiftung sein. Dieser Herausforderung müssen sich Stiftungen stellen und gemeinsame Familien-Antworten finden.

Mag. Manfred Wieland, ESIA (manfred.wieland@stiftung-nextgen.at): Gründer, Geschäftsführer der Plattform stiftung-nextgen und Director der LMM Investment Controlling AG. Als Stiftungsexperte in unterschiedlichen Funktionen beratend für Stiftungen tätig.