Digitalisierung/Organisation

Stiftungsmonitor 2025 – die Ergebnisse

By 20. Februar 2026No Comments

Stiftungsmonitor 2025 – die Ergebnisse

Zu Beginn möchten wir unseren aufrichtigen Dank aussprechen: Mehr als 300 Persönlichkeiten haben sich Zeit genommen, an unserer aktuellen Umfrage teilzunehmen. Damit konnten wir über 10 % aller Stiftungen in Österreich erreichen – ein starkes Signal für Engagement, Verantwortung und den Wunsch, die Zukunft des Stiftungswesens aktiv mitzugestalten. Die daraus gewonnenen Antworten liefern ein repräsentatives und zugleich aufschlussreiches Bild der aktuellen Situation.

In diesem Jahr gliedern wir die Erkenntnisse des Stiftungsmonitors in drei zentrale Themenfelder:

  1. Das Innenleben der Stiftung
  2. Die öffentliche Wahrnehmung von Privatstiftungen
  3. Das Vermögen in der Stiftung

Innenleben der Stiftung – der Maschinenraum der Zukunft

Das Innenleben einer Stiftung ist ihr Herzstück, ihr Maschinenraum. Nur wenn hier Vertrauen, Professionalität und ein konstruktives Miteinander herrschen, kann eine Stiftung stabil wirken, ihren Zweck erfüllen und Generationen überdauern.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Für rund zwei Drittel war die Sicherung der Familie und die Nachfolgeplanung der Hauptgrund für die Gründung. Steuerliche Motive spielten nur bei einem Drittel die entscheidende Rolle.
  • Trotz des klaren Fokus auf Langfristigkeit haben 35 % noch keine konkreten Schritte für den Generationenübergang gesetzt.
  • 59 % haben bereits darüber nachgedacht oder Maßnahmen eingeleitet, Teile der Stiftung ins Ausland zu verlagern.
  • Jeweils ein Drittel sieht die größten zukünftigen Herausforderungen in
    • neuen steuerlichen Hürden,
    • politischen Veränderungen in Österreich und der EU,
    • gesellschaftlicher Kritik und öffentlicher Anprangerung.

Diese Ergebnisse führen zu entscheidenden Fragen:

  • Wie sichern Familien die Zukunft ihrer Stiftung wirklich langfristig?
  • Ist ein Schritt ins Ausland strategisch sinnvoll?
  • Und wie kann eine Stiftung souverän mit externen Unsicherheiten umgehen?

Öffentliche Wahrnehmung – zwischen Realität und Vorurteil

Wie Stifterinnen und Stifter die Wahrnehmung von Stiftungen einschätzen, ist mehr als ein Stimmungsbild – es ist ein Gradmesser für Vertrauen, Akzeptanz und gesellschaftliche Wirkung. Immerhin beheimaten die rund 3.000 Stiftungen in Österreich über 10.000 Unternehmen und sind damit ein bedeutender volkswirtschaftlicher Motor.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die mediale Berichterstattung erhält nur die Schulnote 4.
  • 82 % empfinden das öffentliche Image als vorurteilsbehaftet bis ablehnend.
  • Während ein Drittel die Rolle der Stiftung primär im Vermögenserhalt sieht, wünschen sich zwei Drittel eine aktivere gesellschaftliche Rolle.

Daraus ergeben sich richtungsweisende Fragen:

  • Wie kann das Image von Stiftungen nachhaltig verbessert werden?
  • Wie können sie ihre gesellschaftliche Wirkung sichtbarer machen?
  • Und wie lässt sich das vielfach vorhandene positive Engagement überzeugend kommunizieren?

Vermögen in der Stiftung – zwischen Anspruch und Realität

Das wirtschaftliche Umfeld ist geprägt von Unsicherheit und raschem Wandel. Gerade Stiftungen, die auf Beständigkeit und Generationenwirkung ausgelegt sind, stehen vor der Herausforderung, Stabilität mit zeitgemäßer Vermögensstrategie zu verbinden.

Wie welcher langfristigen Erwartung veranlagen Stiftungen ihr Vermögen?

Mit welchem Risiko ist das Wertpapiervermögen aktuell veranlagt?

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die Transparenz interner Entscheidungen wird mit der hervorragenden Note 1,3 bewertet.
  • Die Professionalität der Organisationsstruktur mit 2,5.
  • 32 % der Stiftungen investieren dynamisch (30 % Anleihen / 70 % Aktien), während der Rest konservativ (39 %) oder ausgewogen (29 %) veranlagt ist.
  • Die Hälfte erwartet langfristig über 4 % Rendite nach Inflation.
  • Tatsächlich lag die Rendite bis Oktober 2025 bei 57 % unter 6 %.

Diese Zahlen offenbaren Spannungsfelder:

  • Ausgewogene Portfolios entwickelten sich durchschnittlich um 6,6 % – ein Hinweis darauf, dass viele Vermögen defensiver investiert sind als angenommen.
  • Gleichzeitig bedeutet eine Zielrendite von über 4 % nach Inflation, dass real rund 9 % vor Kosten, Steuern und Inflation erzielt werden müssten – ein Wert, der meist nur mit stark aktienlastigen Strategien erreichbar ist.
  • Die sehr positive Selbsteinschätzung bei Professionalität und Transparenz wirft daher eine zentrale Frage auf: Wie gut passen Erwartung, Strategie und tatsächliche Ergebnisse wirklich zusammen?

Conclusio – ein Weckruf mit Chancen

Die Ergebnisse des Stiftungsmonitors zeigen klar: In vielen Bereichen des Stiftungslebens besteht Dialog- und Handlungsbedarf – zugleich eröffnen sich große Chancen für Weiterentwicklung.

  • Die Wahrnehmung von Stiftungen und damit deren Möglichkeiten in der Zivilgesellschaft nehmen an Bedeutung für Familien zu.
  • Externe Unsicherheiten führen zu Überlegungen, wie die Langfristigkeit von Stiftungen sichergestellt werden kann.
  • Die Vermögensverwaltung bleibt ein Schlüsselthema – von der strategischen Ausrichtung bis zur laufenden Qualitätskontrolle besteht noch erhebliches Optimierungspotenzial.

Themen wie Familienleitfaden, Entscheidungs- und Kontrollprozesse und Gedanken über die Rolle von Stiftungen werden daher 2025 stärker denn je in den Fokus rücken müssen. Denn eines zeigt der Monitor deutlich: Die Zukunft erfolgreicher Stiftungen entscheidet sich dort, wo Weitblick auf Konsequenz trifft.